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Atomtransporte nach Sellafield in Vorber

April 12, 2001

Atomtransporte nach Sellafield in Vorbereitung

- Dritte Zusammenfassung (Bild:FRA102) (neu: Biblis)

Utl: Drei Behälter im baden-württembergischen Neckarwestheim

bereits beladen - Transporte auch aus Biblis genehmigt

Heilbronn (AP) Nach der Wiederaufnahme von Atommülltransporten ins französische La Hague werden demnächst auch wieder Brennstäbe in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield gebracht. Drei Behälter sind im Atomkraftwerk Neckarwestheim bei Heilbronn bereits beladen, wie Uwe Mundt von der Gemeinschaftskraftwerke Neckar GmbH (GKN) am Donnerstag sagte. Das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigte unterdessen auch den Transport abgebrannter Brennelemente aus dem hessischen AKW Biblis nach Sellafield.

Wie das Bundesamt in Salzgitter mitteilte, sollen sechs Castor-Behälter mit verbrauchten Brennelementen aus Biblis in die britische Wiederaufarbeitungsanlage gebracht werden. Der Transport der Behälter vom Typ Castor S1 sei bereits im Juni 1999 von der Nuklear Cargo + Service GmbH (NCS) beantragt worden. Die erteilte Genehmigung sei bis Ende Juli dieses Jahres befristet. Den konkreten Transporttermin müssten die NCS und der Kraftwerksbetreiber mit dem Inneministeriums der von der Lieferung berührten Länder abstimmen.

Den Transport der drei Behältern von Typ Excellox 6 aus dem AKW Neckarwestheim nach Sellafield hatte das Bundesamt bereits am 22. Januar genehmigt. Dieser erste Transport seit 1998 soll laut »Berliner Zeitung« am 23. oder 24. April erfolgen. Greenpeace-Sprecher Veit Bürger nannte den Termin »sehr möglich«. Die 21 Brennelemente in den drei Behältern stammen aus dem ersten Block des Atomkraftwerks. Die britische Wiederaufarbeitungsanlage war Anfang vergangenen Jahres wegen Unregelmäßigkeiten bei der Herstellung von Brennelementen in die Kritik geraten.

Nach Angaben der GKN sollen in diesem Jahr insgesamt zehn Behälter von Neckarwestheim nach Großbritannien transportiert werden. Die übrigen sieben Genehmigungen stünden noch aus, sagte Uwe Mundt. Erst am Dienstag war unter massiven Protesten Atommüll aus mehreren deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufbereitung nach La Hague gebracht worden.

Die »Berliner Zeitung« zitiert den Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren, mit den Worten, die britische Atomaufsicht habe seinem Haus bereits am 19. Dezember 2000 schriftlich mitgeteilt, dass die Betreiberfirma der Anlage in Sellafield, BNFL, alle Auflagen umgesetzt habe. Damit habe auch das deutsche Umweltministerium keine Versagensgründe für Transporte. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz in Salzgitter wurde der Transport der drei Nuklearbehälter vom Typ Excellox nach Großbritannien bereits im Januar genehmigt. Zur Abwicklung habe die Betreiberfirma bis September Zeit, hieß es.

Zwtl: Greenpeace reichte Antrag auf Widerruf ein

Die Umweltorganisation Greenpeace hat beim Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter nach eigenen Angaben einen Antrag auf Widerruf der Transportgenehmigung eingereicht. Bislang sei darauf nicht reagiert worden, sagte Bürger. »Nach unserer Auffassung verstoßen die Transporte gegen europäisches Recht, wonach der Umgang mit radioaktiven Stoffen einer Rechtfertigung bedarf, und die sehen wir hier nicht gegeben«, erläuterte er. Wiederaufarbeitung schade den Menschen, da während des Vorgangs radioaktiver Müll im Meer lande.

»Wir wollen allmählich aus der Wiederaufbereitung aussteigen«, sagte Mundt. Brennelemente sollten in den kommenden Jahren zunehmend in Deutschland verbleiben. Erst am Dienstag hatte das Bundesamt in Neckarwestheim das bundesweit erste Interimslager für hochradioaktive Abfälle genehmigt. Nun dürfen dort fünf Jahre lang bis zu 24 Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aufbewahrt werden und müssen nicht mehr in zentrale Zwischenlager wie Ahaus und Gorleben gebracht werden.

An den beiden Kraftwerksblöcken bei Neckarwestheim soll in vier bis fünf Jahren ein reguläres Standortzwischenlager in Betrieb gehen. Auch die Betreiber der Atomkraftwerke Philippsburg, Krümmel, Brunsbüttel und Biblis haben Zwischenlager beantragt.

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AP/is/vo/it/

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