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Erste Grippetote in Deutschland -

January 20, 2000

Erste Grippetote in Deutschland -

Abendmeldung (mit weiteren Einzelheiten)

Utl: Zwei Patienten starben in Sachsen - Weiterer Anstieg der

Erkrankungen in der nächsten Woche vorhergesagt

Dresden/Marburg (AP) In Deutschland gibt es die ersten Grippetoten in diesem Jahr. Nach Auskunft eines Sprechers des sächsischen Sozialministeriums vom Donnerstag sind zwei Personen an Influenzaviren gestorben. In einem Fall handele es sich um eine 78 Jahre alte Frau, die in Ostsachsen gelebt habe, sagte der Sprecher in Dresden. Sie sei vor einer Woche gestorben. Bei dem zweiten Grippetoten handeles es sich um einen 30 Jahre alten Mann aus Westdeutschland gestorben, der im Großraum Leipzig auf Besuchsreise war. Er sei bereits vor 14 Tagen verstorben. In der nächsten Woche müsse bundesweit mit einem weiteren Anstieg der Grippeerkrankungen gerechnet werden, hieß es weiter. In Sachsen würden hohe Erkrankungszahlen aus den Städten Görlitz, Hoyerswerda und Leipzig gemeldet.

Wie die Marburger Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Donnerstag mitteilte, ist bundesweit eine moderate bis deutliche Influenza-Aktivität zu beobachten. »Mehr als 500.000 Patienten gehen pro Woche bundesweit wegen Grippe zum Arzt«, schätzt der Mediziner Helmut Uphoff von der AGI. Genaue Zahlen über deren Ausbreitung gebe es aber nicht, da viele Betroffene beispielsweise gar nicht zum Arzt gingen.

Die Influenzaaktivität ist nach diesen Angaben je nach Bundesland verschieden. Während in Norddeutschland und Baden-Württemberg weniger Patienten mit Grippe-Symptomen in die Arztpraxen kämen, sei in Bayern und Sachsen ein Anstieg festzustellen. Besonders stark betroffen sei die Altersgruppe der 16 bis 35-Jährigen.

»Eine Impfung ist derzeit nur noch in Einzelfällen sinnvoll«, sagte Uphoff. Grundsätzlich sollten aber Ärzte und Pflegepersonal gegen Influenza geimpft sein. So werde das Risiko einer Ansteckung insbesondere bei immungeschwächten Patienten verringert. US-Studien belegten, dass es in Krankenhäusern und Pflegeheimen während einer Grippe-Welle deutlich weniger Todesfälle gebe, wenn Ärzte und Pflegekräfte geimpft seien.

Nach einer Telefonumfrage des Berliner Robert-Koch-Instituts ist jedoch in Deutschland nur jeder fünfte Angehörige des medizinischen Personals gegen Grippe geimpft. Die Influenza könne besonders bei abwehrgeschwächten Menschen zu einer Lungenentzündung oder einer weiteren Schwächung des Immunsystems führen, sagte Uphoff. Auch der Stoffwechsel von Zuckerkranken könne bei einer Erkrankung durcheinander geraten. »Bei einer schweren Influenza-Welle steigen die Todesfälle bei Diabetikern um bis zu 40 Prozent an«, erklärte der Mediziner. Die in Marburg ansässige AGI wertet in jeder Woche die Grippemeldungen von rund 500 Arztpraxen aus.

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AP/str/em/kn/

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