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Verbraucher und Service

May 4, 2000

Verbraucher und Service

Frühlingsgefühle machen Diebe

Utl: Gekippte Fenster und offene Terassentüren laden zum

Diebstahl ein - Tagsüber wird mehr eingebrochen als

nachts - Polizei berät kostenlos zu Hause

Von AP-Korrespondentin Berrit Gräber

München (AP) Etwa alle drei bis fünf Minuten macht sich in Deutschland ein Einbrecher ans Werk. Fast immer sind die Bewohner »ausgeflogen», wenn er in Wohnungen oder Häuser eindringt. Die Polizei warnt: Diebe gehen am liebsten tagsüber auf Beutezug, wenn die Leute bei der Arbeit oder beim Einkaufen sind. Bei schönem Wetter hat es so mancher Langfinger oft kinderleicht: Da bleiben Erdgeschossfenster gekippt, Terassentüren stehen sperrangelweit offen. »Das ist die reine Einladung», mahnt die Polizei.

Einbrecher haben zwar das ganze Jahr über Saison. Gerade im Frühling und Sommer fielen ihnen die Gelegenheiten zum schnellen Zugriff aber besonders problemlos in den Schoß, sagt Jürgen Meyr, Leiter der Zentrale Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Viele Menschen neigten dazu, sämtliche Vorsichtsmaßnahmen in den Wind zu schießen, sobald die Sonne scheint: Für den Besuch der Eisdiele, die Skate- oder Radtour wird die Haustür nur schnell zugezogen, nicht zweifach abgeschlossen. Und in Mietshäusern bleibt die Eingangstür gleich den ganzen Tag weit geöffnet.

Dabei reichen Profis schon zehn bis 15 Sekunden aus, um ein normales, ungesichertes Fenster aufzubrechen, rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vor. Gleiches gilt für Balkon- oder Terassentüren mit Glasfüllung. Besonders Kunststoffrahmen sind mit einfachsten Mitteln leicht und recht geräuschlos aufzuhebeln. Nur bei jedem zehnten Einbruch schlägt der Täter das Glas ein, um an den Riegel zu kommen.

Gekippte Fenster sind für geübte Einbrecher offene Fenster, warnt die Polizei. Das gilt in der warmen Jahreszeit selbst für Wohnungen im zweiten oder dritten Obergeschoss. Herumstehende Gartenmöbel, Leitern, große Blumentöpfe, Pergolen oder Rankgerüste nützen Täter, um in günstigen Momenten auch obere Stockwerke in Angriff zu nehmen. Ihre bevorzugten »Bruchzeiten»: Morgens zwischen 10.00 und 12.00 Uhr, nachmittags und, in der kalten Jahreszeit, am frühen Abend zwischen 16.00 und 20.00 Uhr

Fast jeder fünfte Einbruch durch Fenster, Balkon- und Terassentüren ist dem Leichtsinn der Bewohner zuzuschreiben, weiß der Deutsche Mieterbund. Bei rund jedem achten der über 160.000 Einbrüche im Jahr sind Fenster oder Glastüren gekippt.

Zwtl: Gelegenheit macht Diebe

»Wir hören von den Bürgern immer wieder das Argument: Einbrecher kommen doch überall rein, wenn sie nur wollen», seufzt der Münchner Experte Meyr. Die polizeiliche Erfahrung zeige jedoch, dass gerade Gelegenheit Diebe mache. Verlockende Situationen würden vor allem in der Anonymität von Hochhäusern, Wohnanlagen sowie in abgelegenen Häusersiedlungen von Einbrechern rigoros ausgenutzt. »Für viele Menschen ist das Eindringen Fremder in die Privatsphäre dann ein richtiger Schock. Der materielle Schaden wird von Versicherungen ersetzt, das verloren gegangene Sicherheitsgefühl und die Angst vor Wiederholung können fatal sein», berichtet Meyr aus der Praxis. »Wir wissen von Einzelnen, die ihre Häuser nach dem Einbruch verkauft haben.«

Um Einbrüchen vorzubeugen, rät die Polizei allen Bürgern, sich immer wieder die simpelsten Sicherheitsvorkehrungen in Erinnerung zu rufen. Was viele Menschen im Winter automatisch verrichten - wie Fenster, Keller- und Außentüren immer schließen, Haustür mehrfach absperren, Rollläden nachts herunter lassen - sollte auch im Sommer selbstverständlich werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte unbedingt auch die Nachbarn um Hilfe bitten. Aufmerksame Mitbewohner sind grundsätzlich ein hochwirksamer Schutz gegen Einbrecher, so die Polizei.

Wer zusätzliche mechanische Sicherungen wie Querriegelschlösser, Türspione, Schutzbeschläge, Fensterzusatzschlösser, Gitter oder elektrische Alarmanlagen einbauen lassen möchte, kann sich kostenlos bei der Polizei informieren. Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen übernehmen sogar individuelle Schwachstellenanalysen vor Ort, machen Termine mit Hausbesitzern aus oder beraten Häuslebauer. Erste Informationen im Internet: www.polizei.propk.de.

Ende..

AP/bj/az/

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